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Piz Morteratsch
Sonntag, 26.08.2001

Als mein Wecker losgeht, ist es noch stockdunkel. Ich bin gleich hellwach und will den Ralle wecken. Das ist aber gar nicht nötig, denn der ist auch schon wach. Er hat die ganze Nacht kaum geschlafen und fühlt sich wie gerädert. Na, hilft nix. Wir packen die Rucksäcke und gehen zum Frühstück runter.

Das ist - wie nicht anders zu erwarten - eher mässig. Mir ist das Brot zu trocken, als nehme ich mir Müsli mit Ovomaltine. Mag ich zwar nicht sehr, soll aber Kraft geben, hoffe ich.

Um kurz vor halb 6 sind wir abmarschbereit. Ich habe einen Bändel vom Rucksack verloren, musste ihn suchen - leider erfolglos. So kommen wir leider ein bisserl spät los.

Eine Gruppe aus 5 Italienern - 2 Frauen, 3 Männer - gehen kurz vor uns los und machen den Eindruck, sich dauernd zu verzetteln. 2 Leute hinter uns nehmen kurz entschlossen eine Abkürzung, der wir einfach folgen. Um die Italiener zu überholen, müssen wir im Licht der Stirnlampen im weglosen Gelände sehr schnell gehen. Ich fürchte, dass wir das bald bereuen müssen.

Wir kommen vor den Italienern wieder auf den eigentlichen Weg und steigen zügig bergan. Der Weg wird recht steil und wir kommen unter den Jacken ziemlich ins Schwitzen. Als wir die Jacken ausziehen, werden wir von der Italiener-Gruppe wieder überholt. Diesmal passen wir uns einfach an deren Tempo an.

Piz Morteratsch im Morgenlicht Die zweite Frau der Gruppe geht ziemlich schlecht. Sie lässt uns bald vorbei und als die anderen warten, können wir wieder ungehindert bergan steigen.

Vor dem ersten Firnfeld machen wir eine kurze Pause. Etwas trinken und die von den ersten Strahlen der Sonne beleuchteten Berge bewundern. Die Eishaube des Piz Morteratsch sieht für mich unnahbar und schrecklich weit oben aus. Kein Wunder - wir haben noch knapp 1000 Meter vor uns.

Panorama mit Piz Palue


ralle klettert Wir steigen das Firnfeld zum Einstieg der Kletterei (laut Führer I) empor. Die Gruppen vor und steigen angeseilt aber ungesichert (!!!) den Fels empor und werfen mit dem Seil dauernd kleine Steinchen herab. Wir sind froh, dass wir die Helme dabei haben. Der Einstieg ist von unangenehmen feinen Felsstaub bedeckt, der die an sich nicht schwierige Kletterei zu einer Zitterpartie macht - man weiss nie, ob der Stiefel wirklich hält oder nicht.

Weiter oben ist der Fels fester und es macht richtig Spass, der Forcola Boval entgegen zu klettern, auch wenn uns die klobigen Riesen-Rucksäcke behindern. Die Italiener vor uns sind relativ langsam, aber da mir die Höhe und das Gewicht des Rucksacks ein wenig zu schaffen machen, bin ich eigentlich froh drum.

Ralle seit sich an In der Boval-Scharte seilen wir uns an und schnallen die Steigeisen um. Die ersten paar Meter auf dem Gletscher und über die erste (schmale) Spalte hinweg geht es mehr oder weniger geradeaus. Dann aber kommt der steile Aufschwung zum Morteratsch-Gipfel. Dass wir inzwischen auf über 3400m sind, ist deutlich zu spüren - meine Beine sind schwer und ich schnaufe wie ein Walross.

Auf dem Weg zum Gipfel Eine Seilschaft von der Tschierva-Seite muss vor uns den Bergschrund queren. Das dauert eine Weile, weil es 5 Leute sind. Die Vordersten lassen uns vorbei, während die Letzten sich über die Spalten tasten, aber bis wir an den Ersten der Seilschaft vorbei sind, läuft die Seilschaft schon wieder los, der Erste direkt hinter mir. Ich bin langsam und kaputt und komme mir gehetzt vor, also lassen wir die 5 bei der nächsten Gelegenheit vorbei.

Der weitere Weg ist nicht mehr ganz so steil, aber da ich inzwischen ziemlich alle bin, kommt es mir ewig lang vor, bis wir endlich den Gipfel erreichen. Geschafft!

der Gipfel


Der Biancograt Wir bleiben trotz des grossartigen Panoramas nicht allzu lang auf dem Gipfel, weil der Wind dort oben empfindlich kalt ist. Ralle hätte so gerne den Piz Palü, unser Ziel für Übermorgen fotografiert, aber der hüllt sich schamhaft in Wolken uns lässt nicht blicken. Immerhin haben wir einen tollen Ausblick auf den viel gerühmten Biancograt. Sieht schon beeindruckend aus. Kein Wunder, dass da viele hoch wollen (Ja, wir auch, aber nicht dieses Mal).

Ralle seilt ab Der Abstieg über den Gletscher geht schnell und problemlos, ist aber ziemlich heiss, trotz der Höhe. Der weitere Abstieg über die Felsen dagegen gestaltet sich mit unseren grossen und schweren Rucksäcken ein wenig schwierig. Wir nehmen 2 der drei Abseilstellen in Anspruch - wozu schleppen wir ein Seil mit?

Kurz vor der Hütte machen sich die gut 1400 Höhenmeter dann richtig bemerkbar. Uns tun die Füsse fürchterlich weh. Als wir die Schuhe auf der Terrasse der Boval-Hütte ausziehen und die nackten Zehen in frischer Luft bewegen können und vor uns ein Radler, bzw. ein Bier haben, fühlen wir uns wie im Paradies.

Wir können die Schweizer Bergwacht bei der Bergung von 2 Personen vom oberen Ende des Fortezza-Grates mit dem Hubschrauber beobachten. Gut zu wissen, dass die geübt und schnell und effektiv sind, denn genau dahin wollen wir morgen.

Der Abend ist diesmal recht unterhaltsam, denn mit uns am Tisch sitzen ein paar Leute, die sich schon seit ein paar Tagen in der Bernina aufhalten und die uns wertvolle Tipps geben und nette Anekdoten erzählen. Kurz vor 10 Uhr fallen wir in die Falle.

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