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Marco e Rosa Hütte
Montag, 27.08.2001

Diesmal ist das Frühstück um 5 Uhr und auch der Ralle hat relativ gut geschlafen. Wir packen schon vor dem Frühstück alles zusammen und sind kurz nach halb 6 abmarschbereit. Die beiden Österreicher aus unserem Lager haben dasselbe Ziel, sind aber schon eine Viertelstunde vor uns fertig.

Morteratschgletscher und Bernina in der Früh Im Licht der Stirnlampen tasten wir uns auf Trittspuren über die Randmoräne des Morteratsch-Gletschers. Auf dem Gletscher selber müssen wir unseren Weg selber suchen. Da der aper (also schneefrei) ist, ist das nicht weiter schwierig. Die beiden Bäche und die zwei Spalten überspringen wir einfach.

Auf der anderen Seite steht uns erst mal der steile Anstieg über einen schmalen Weg durch das Geröll auf der Isla Persa bevor. Wir verlaufen uns immer wieder ein Stückchen, aber da der ganze Hang von Trittspuren durchzogen ist, finden wir trotzdem relativ problemlos noch oben.

Auf dem Firnfeld übernehme ich die Führung und gehe zwar langsam aber stetig ('Nicht stehenbleiben, Andrea! Ein Schritt nach dem Anderen!') dem Fortezzagrat entgegen. Wie uns die Jungs gestern abend rieten, umgehen wir den ersten Felsbuckel links auf einer ausgetretenen Spur.

Danach laufen wir auf dem Firngrat der eigentlichen Kletterei entgegen. Wir befinden uns über 3000m und ich merke wieder, wie mir die Höhe zusetzt. Inzwischen hat der Ralle die Führung und ich tappe ihm langsam nach.

Noch mal Piz Palue


Vor der Kletterei machen wir Pause, legen das Seil ab, trinken etwas und beobachten, wie die beiden Österreicher in den Grat einsteigen. Die beiden sichern den Grat hoch. Wir begucken uns die Kletterei, die zwar ausgesetzt aber nicht schwierig ist und beschliessen, frei zu gehen.

Der Einstieg zum Fortezzagrat ist gleichzeitig die schwierigste Stelle. Der Fels ist fest und griffig und wenn man mal von den Atempausen absieht, die ich nach jeder steilen Stelle brauche, macht das Klettern richtig Spass. Die beiden Österreicher haben deutlich mehr Probleme, was mich insgeheim freut, denn die wirkten fitter als ich.

Der Grat ist viel schneller aus, als wir gedacht hatten. Vor uns erstrecken sich weit und vergleichsweise flach die Bellavista-Terassen. Wir machen noch mal eine kurze Pause, trinken Tee und essen Studentenfutter (Kraftnahrung). Dann legen wir wieder Seil und Steigeisen an und machen uns (seeeehr langsam) auf den Weiterweg.

Es ist etwa Mittag und der Schnee ist weich und sulzig. Als wir endlich auf dem flachen Stück unter den 3 Gipfeln sind, brechen wir bei jedem zweiten Schritt ein. Das Gehen ist extrem anstrengend und ich muss immer wieder Pause machen. Der schwere Rucksack macht mich platt. Wie drückte das der Bergführer gestern abend aus?

'Meiner Erfahrung nach ist für Erfolg oder Misserfolg einer Tour nicht nur die Kondition und das Wetter entscheidend, sondern vor allem auch das Gewicht des Rucksacks. Die Leute haben alle viel zu viel dabei. Ein Rucksack darf nicht mehr als 12 bis maximal 15 Kilo wiegen.'
*schluck*

Ich schleppe mich Schrittchen für Schrittchen nach oben und beschliesse, auf die Besteigung der Bernina heute zu verzichten. Schaff ich nicht, kann ich nicht, will ich nicht!
Ich komme lieber mal wieder.

GLetscherspalte Der Ralle nimmt meine Entscheidung zu Kenntnis und wirkt nicht allzu niedergeschlagen. Da wir nun Zeit haben und uns nicht beeilen müssen, können wir die grossartige Bergwelt hier oben geniessen. Die Gletscher faszinieren uns. Bisher haben wir eigentlich nur 'zahme' Gletscher gesehen. Hier jetzt auf (relativ) schmalen Schneebrücken durch breite und tiefe Spalten zu gehen, ist beeindruckend.

Marco e Rosa Hütte Wir erreichen die Marco e Rosa Hütte um 3 Uhr Nachmittags. Unsere 'Vorgänger', die beiden Österreicher kamen zum selben Entschluss wie wir. Keine Bernina mehr. Der Aufstieg war zu anstrengend.

Wir hocken zu viert in der Sonne vor der Hütte und unterhalten uns. Die beiden wollen morgen ebenfalls über den Piz Palü und dann zur Diavolezza absteigen. Allerdings grault sich die Frau vor dem Spinas-Grat, weil ihr die Kletterei am Fortezza-Grat ein wenig zuviel war.

Der Hüttenhund Die Wirte der Marco e Rosa Hütte sind alle 3 rechte Originale. Man merkt der Hütte gleich an, dass erstens keine Frau und zweitens nur 'Freaks' dort wohnen: Die Wände sind voll mit Bildern von Extrem-Bergen und Frauen ;-) Der Hütten-Hund, ein schläfriger Husky, passt da wunderbar dazu.

Gletscherwasserwaschanlage Richtig nett ist die Waschgelegenheit: Ein kleines Blech, das das Schmelzwasser vom Bernina-Gletscher ein wenig kanalisiert. Brrr! Aber das kalte Wasser tut gut.

Wir hatten Horror-Stories über die Hütte gehört. Wenn sie mit 70 Mann voll sei, müsse man in 3 Schichten essen und könne nicht schlafen. Wir haben Glück. Mit grad mal 25 Leuten ist die Hütte nicht mal halb voll.

Das Essen ist prima: Gemüsesuppe, Spiegeleier und Rösti und Bohnen, Mousse au Chocolat. Wir trinken erst Bier und dann Wein und schlafen in dem erstaunlich ruhigen Lagerraum ganz prima.

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